Textgröße:  A   A+ A++

Bäckereien

Bäckereien öffnen/schließen

Bäcker, die zivile Zwangsarbeitende beschäftigten

 

Im April 1944 wird der aus Haarlem kommende Johan U. von den Henschelwerken in Kassel nach Benniehausen in eine Bäckerei versetzt. Johan ist in den Niederlanden als Bäcker ausgebildet worden, wurde aber in Kassel als Schweißer eingesetzt. In Benniehausen scheint aber die Not wohl größer zu sein.

Nach einem halben Jahr wird Johan verhaftet. Diebstahl von Brotmarken wird ihm vorgeworfen. Johan gesteht. Er stahl die Marken bei seinem Arbeitgeber in Benniehausen und schickte sie an einen Bekannten in einem Kasseler Lager, wo sie unter den Lagergenossen verkauft wurden. Das so verdiente Geld schickte Johan zu seiner Familie nach Haarlem – Einkünfte, welche seine Familie nach seinem unfreiwilligen Einsatz in Deutschland 1943 bitter nötig hat. Johans Vater ist tot, seine Mutter muss sich und ihre drei Kinder allein durchbringen. Als Johan in Deutschland zur Arbeit gezwungen wird, kann er angesichts seines geringen Lohnes von 20 RM in der Woche nicht genügend zum Unterhalt beitragen. Das treibt ihn zum Diebstahl in der Bäckerei.

In Hannover verurteilt man Johan zu zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus, dem Verlust der Bürgerrechte für drei Jahre und zur Übernahme der Gerichtskosten. Er sitzt in Celle ein, wird erst im Juli 1945 von den Engländern entlassen.

Im September 1944 schreibt Johans Schwester Lea ihm aus Haarlem noch einen Brief. Nichts ahnend von seiner Verhaftung und Verurteilung zu jahrelanger Haft, berichtet sie von dem Verlust für die Familie, den seine Deportation bedeutet, und von der tiefen Hoffnung auf seine baldige Rückkehr: »Halte tapfer durch, Junge, alles wird gut.« Er wird dort in der Tat dringend gebraucht.

Dokumente öffnen/schließen

Brief von Johans Schwester Lea vom 11. September 1944:

Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Hann 171a Hannover Acc 28-66 Nr. 517

 

Brief von Johans Schwester Jeanne:
(Zur Vergrößerung bitte mit dem Mauszeiger über den Brief fahren)

Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Hann 171a Hannover Acc 28-66 Nr. 517

 

Übersetzung des Briefes von Jeanne an ihren Bruder Johan:

Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Hann 171a Hannover Acc 28-66 Nr. 517

 


Deckblatt des Urteils des Sondergerichts Hannover gegen Johan U.:

Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Hann 171a Hannover Acc 28-66 Nr. 517



Die Urteilsbegründung des Sondergerichts Hannover:

Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Hann 171a Hannover Acc 28-66 Nr. 517

 


Quelle:
Kreisarchiv Göttingen/ Irmgard Gemm, Hann. Münden


Quelle:
Kreisarchiv Göttingen/ Irmgard Gemm, Hann. Münden