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Die Deportationen

»Sie haben uns zum Zug gebracht und dann in die Viehwaggons rein und dann kamen wir nach Deutschland. Im Waggon mussten wir auf der Erde sitzen. Nebenan waren Pferde, die schlugen so gegen die Wände da. Wir hatten Angst. Bisschen Stroh war da, das war alles. Und alles voll Menschen. Dann haben sie uns irgendwo ausgeladen nachts.«  

Wiktorja Delimat
erinnert sich 2007 an ihre erste Deportation aus Polen.

 

»Sie brachten uns zum Bahnhof und verluden uns in einen Güterzug Richtung Brenner. Wir verbrachten die Nacht einer auf dem anderen liegend. (…) 
Man wusste nicht, wohin man kam. (…) Ab und zu ein Halt. Scharfe Bremsungen durch die extreme Länge des Konvois. (…) Nachts konnten wir kaum schlafen. Durcheinander der Rucksäcke und verschiedenster Dinge, Kameraden (…), die immer wütend herumschrien. Wir wechselten uns dabei ab, mit baumelnden Beinen an den Seitenöffnungen des Waggons zu sitzen.«

Giuseppe Chiampo
notiert 1943 diese Eindrücke seiner Deportation aus Italien nach Fallingbostel in seinem Tagebuch.

 

»So ungefähr 70 Personen waren im Waggon. Und zwei Eimer, und in einem war Wasser und das andere war das WC. So 70, 80 Personen ungefähr, alte, junge. Und so kleines Fenster ist gewesen. Sehr eng, sehr eng. Und der Weg dauert zweiundhalb Tage. Und wir wussten nicht, (…) wohin werden wir fahren.«

Katalin Forgács
beschreibt 2008 den Weg aus Ungarn zum KZ Auschwitz.

 

»Wir wurden in Züge gesteckt, in Viehwaggons, nicht in Personenwaggons. Diese Waggons wurden so voll gestopft, es gingen so viele hinein, wie gerade darin stehen konnten. Umfallen war unmöglich. Wir sind dann von Venlo aus nach Deutschland hineingefahren.«
»Wir mussten unsere Notdurft in diesen Waggons verrichten. Dort, wo man anhielt, konnten wir aber heraus.«

Fritz Winkelmolen und Jo Pouls
2007 über ihre Deportation aus Venlo nach Rhumspringe.

 

Die Verschleppungen von Millionen ausländischer Zwangsarbeitender ins Reich hätten ohne die Beteiligung des einzigen großen Massenverkehrsmittels, der Eisenbahn, nicht durchgeführt werden können. Die Deutsche Reichsbahn war an führender Stelle in das Gesamtprogramm des Zwangsarbeitseinsatzes eingebunden: Während die »Beschaffung« der Arbeitskräfte die Aufgabe der Besatzungsbehörden war und die »Betreuung« in Deutschland der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und den einschlägigen Ministerien oblag, war die Reichsbahn für den Transport der Menschen zuständig.


Quelle:
Sascha Heppe/ Günther Siedbürger, Göttingen


Quelle:
Nachlass Giuseppe Chiampo


Quelle:
Geschichtswerkstatt Duderstadt e.V.


Quelle:
Geschichtswerkstatt Duderstadt e.V.


Quelle:
Bundesarchiv, Bild 183-R70662, Mai 1942


Quelle:
Günther Siedbürger, Göttingen


Quelle:
Günther Siedbürger, Göttingen