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Italien

Giuseppe Chiampo, Sisto Quarenta

Giuseppe Chiampo wird 1922 in Venedig geboren. Der Vater ist Zugführer, die Mutter arbeitet bei der Post. Im Jahr 1929 verliert der Vater, ein Anhänger der Antifaschisten, seine Arbeit und die Familie geht nach Padua. In Giuseppe Chiampos Lebenslauf ist besonders der katholische Glaube hervorzuheben, der ihn später im Lager am Leben erhalten wird.

Am 15. Februar 1943 muss Giuseppe sein Studium der Ingenieurwissenschaften unterbrechen, da er zur alpinen Artillerie einberufen wird. In Meran besucht er den Kurs für Offizierskadetten. Nach dem Waffenstillstand ist er am 9. September gemeinsam mit seinen Kameraden gezwungen, die Waffen an die deutschen Truppen zu übergeben, die die Kaserne umstellt haben.

Am 11. September müssen Tausende von Gefangenen nach Bozen marschieren, wo sie auf einen Güterzug Richtung Brenner geladen werden. Zusammengepfercht wie Tiere erreichen sie in der Nacht des 14. September das Gefangenenlager Fallingbostel. Giuseppe muss unter offenem Himmel auf der Erde schlafen.

Sisto Quaranta wird 1924 in Zagarolo (Rom) geboren. Der Vater ist ein republikanischer Antifaschist und arbeitet als Weinhändler. 1934 zieht Sisto mit der Familie in das Arbeiterviertel des Quadraro, eines Außenbezirks von Rom. Sisto beginnt als 16-Jähriger eine Lehre zum Elektriker und wird aufgrund einer Rippenfellentzündung vom Militärdienst freigestellt.

Im Lauf der deutschen Besatzung wird die Versorgungslage immer schwieriger und der Unmut der Bevölkerung immer größer. In Vierteln wie dem Quadraro wächst die Feindseligkeit gegenüber den Besatzern. Die Deutschen nennen die Borgata (ein Teil des Gebietes im Quadraro) ein »Wespennest«, eine »Höhle der Partisanen« voller Wehrdienstverweigerer und Saboteure.

Am 17. April 1944 werden alle Häuser nach Männern zwischen 16 und 60 Jahren durchkämmt. Sisto wird als politischer Gefangener mit weiteren 946 Männern in das Lager Fossoli gebracht. Ende Juni werden sie als »freiwillige Helfer« nach Deutschland deportiert.

Hintergründe

Die Machtergreifung Mussolinis 1922 beeinflusste die Entwicklung des deutschen Nationalsozialismus. Die Ziele des italienischen faschistischen Reiches führten zur Militarisierung des Landes. Die Italien nach dem Einfall in Äthiopien von den anderen Nationen angedrohten Sanktionen brachten die beiden Diktaturen näher zusammen. In den Jahren zwischen 1938 und 1943 wurden 500.000 freiwillige Arbeiter nach Deutschland gebracht und gegen Rohstoffe eingetauscht.

Militärische Zusammenbrüche in Afrika und Russland sowie die Landung der Alliierten in Sizilien, Bombardierungen und harte Lebensbedingungen führten zum Untergang des italienischen Faschismus. Am 25. Juli 1943 nahmen der König und die herrschende Klasse Mussolini, den sie bis dahin über zwanzig Jahre lang unterstützt hatten, gefangen und leiteten gemeinsam mit den Alliierten die Verhandlungen für eine Kapitulation ein.

Auf den Waffenstillstand vom 8. September waren die italienischen Streitkräfte nicht vorbereitet. Mit einer vernichtenden Aktion schaffte es die deutsche Wehrmacht, die italienischen Truppen in den Balkangebieten, in Griechenland und Italien handlungsunfähig zu machen. Sie besetzte Rom – das vom König und seinem Generalstab im Stich gelassen wurde – sowie große Teile der Halbinsel.

Eine Million Soldaten wurde durch Gewalt und Hinterlist entwaffnet. Die Beute an Waffen und Fahrzeugen war enorm. Tausende von Soldaten, die sich gegen die Gefangennahme wehrten, wie zum Beispiel auf der griechischen Insel Cefalonia, wurden der Reihe nach wie Verbrecher erschossen. 700.000 Soldaten wurden nach Deutschland deportiert, weitere 100.000 als Arbeiter in den Balkan geschickt.

Bis zum 25. April 1945 war Italien Schauplatz eines Krieges, der durch das langsame Vorrücken der Alliierten gekennzeichnet war. Die Wehrmacht musste das bäuerliche Land in Süditalien aufgeben, behielt aber die Kontrolle über die norditalienischen Industriezentren. Hier kam es zu Enteignungen, zur Deportation von Zivilisten und Massakern an der Bevölkerung.

40.000 Partisanen, Antifaschisten und streikende Arbeiter kamen in Konzentrationslager, etwa 90% starben dort. 6.000 Juden wurden in Vernichtungslager deportiert. 100.000 Zivilisten waren von Razzien und Einberufungen betroffen und zur Arbeit im Reich gezwungen.


Quelle:
Nachlass Giuseppe Chiampo, Padova


Quelle:
Nachlass Giuseppe Chiampo, Padova


Quelle:
Sisto Quaranta, Rom/ Istituto di Storia Contemporanea »Perretta«, Como


Quelle:
Centro di ricerca »Schiavi di Hitler«, Como


Quelle:
Staatsbücherei Rom, »Jahr XVI« (1938)/ Centro di ricerca »Schiavi di Hitler«, Como


Quelle:
Centro di ricerca »Schiavi di Hitler«, Como


Quelle:
Centro di ricerca »Schiavi di Hitler«, Como