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Strafen, Misshandlungen

Die Abhängigkeit der ausländischen Zwangsarbeitenden und ihre Notlage wurden umfangreich ausgenutzt. Es gab Hilfsbereitschaft seitens der deutschen Bevölkerung – die Beispiele für Denunziationen, Strafen, teils brutalste Misshandlungen, Einweisungen in Gefängnisse, Arbeitserziehungslager (AEL), Konzentrationslager (KZ) sind jedoch zahlreich. Auch vor der öffentlichen Hinrichtung von Zwangsarbeitenden schreckte die Gestapo nicht zurück.

Am häufigsten waren Strafen wegen »unerlaubten Aufenthaltes« außerhalb des Arbeitsortes und wegen des Verstoßes gegen die Kennzeichnungspflicht. Im Kreis Duderstadt wurden innerhalb eines Monats 113 Geld- oder Gefängnisstrafen fast ausschließlich aus diesen Gründen verhängt. Wurde das Verlassen des Arbeitsplatzes auch noch als Fluchtversuch gewertet, drohte wegen »Arbeitsvertragsbruchs« die Einlieferung in ein AEL oder ein KZ.

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Strafverfügung der Ortspolizeibehörde gegen Giuseppe Chiampo aus dem Italienerlager Hilkerode: Um der Kälte etwas entgegensetzen zu können, nahmen einige Italiener aus dem nahen Wald Holz mit ins Lager – und wurden vom Bürgermeister des Ortes denunziert.

Quelle: Kreisarchiv Göttingen LA DUD 1336

 

Die Kinder osteuropäischer Zwangsarbeitender hatten stark unter den Anfeindungen ihrer deutschen Altersgenossen zu leiden, die in den NS-Jugendorganisationen mit dem Hass auf die »slawischen Untermenschen« aufwuchsen.

Auf der Domäne Himmigerode sind es aber nicht die deutschen Jugendlichen, vor denen der 16-jährige Janek Cizdźiel im Herbst 1940 flieht: Er hat Angst vor den ständigen brutalen Misshandlungen, die er, seine schwangere Mutter und die übrigen polnischen Arbeiterinnen und Arbeiter dort von Seiten des Pächters, SS-Scharführer Wissemann, und des Hofmeisters wegen jeder Kleinigkeit erleiden müssen. Grün und blau werden sie dort geprügelt.

Janek wird gefasst und muss zwei Monate im Gefängnis sitzen. Nach einer Anzeige eines deutschen Beschäftigten ermittelt die Justiz gegen Wissemann und verurteilt ihn zu neun Monaten Haft. Doch die Beziehungen des SS-Scharführers reichen weit: Das Urteil wird aufgehoben, der Reichsjustizminister schlägt das Verfahren nieder.

Und nun rächt sich Waldemar Wissemann: Er lässt die polnischen Zwangsarbeitenden, die gegen ihn aussagten, ins KZ Sachsenhausen bringen. Janek überlebt das KZ, wird aber kurz nach der Befreiung 1945 beim Brotkauf erschossen. Nach der Aussage seiner Schwester war der Schütze Waldemar Wissemann. Dieser wurde in der Bundesrepublik für seine Taten nie gerichtlich bestraft.


Quelle:
Henryk Łytka, Choszczno


Quelle:
Günther Siedbürger, Göttingen


Quelle:
Wiktorja Delimat, Göttingen