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Die Situation der Italienischen Militärinternierten

Die italienischen Gefangenen erreichten Deutschland in Viehwaggons, begleitet von der Verachtung der Deutschen: Die Aufkündigung der Allianz weckte den tief sitzenden Rassismus gegenüber den »südländischen Verrätern«. Sie verloren den Kriegsgefangenenstatus und wurden zu »Italienischen Militärinternierten« (IMI). So waren sie der Willkür der Aufseher ausgesetzt und wurden von den Vorteilen der Genfer Konvention ausgeschlossen. Die Offiziere wurden von ihren Truppen getrennt, die für die Zwangsarbeit bestimmt waren.

Nur 20% der Soldaten stimmten den Forderungen Mussolinis zu, der von den Deutschen befreit worden und nun auf der Suche nach Freiwilligen für die Armee der Repubblica sociale italiana (Italienische Sozialrepublik) war, die am 13. September 1943 gegründet wurde und unter der Knechtschaft des nationalsozialistischen Deutschlands stand. Ein Großteil der Italiener wählte das Lager, da sie Verbitterung gegenüber den Deutschen empfanden. Von einem baldigen Ende des Krieges überzeugt, weigerten sie sich, an der Seite der Nationalsozialisten und Faschisten zu kämpfen.

Die Armee und die Fabriken des Reiches rivalisierten um die IMI, die vor allem für die Kriegsindustrie, den Bergbau und das Baugewerbe vorgesehen waren. Der erste Winter war katastrophal. Unzureichende Nahrung, Kälte, dürftige hygienische Bedingungen waren dafür verantwortlich, dass sich Epidemien unter den Italienern ausbreiteten und einige aufgrund körperlicher Entkräftung starben.

Eine Vereinbarung zwischen Hitler und Mussolini, der die Bedingungen der Internierten in der Heimat rechtfertigen musste, führte schließlich zu ihrer Entmilitarisierung und machte zivile Arbeiter aus ihnen. Seit dem Sommer 1944 waren die IMI mit persönlichen Dokumenten ausgestattet. Innerhalb der Grenzen des Lagers genossen sie dieselben Freiheiten wie die aus Italien deportierten Zivilisten. Dieser neue Status führte dazu, dass auch die Offiziere Pflichtarbeit verrichten mussten. Diejenigen, die sich widersetzten, wurden im Lager zu Strafen verurteilt.

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Aufteilung der Italienischen Militärinternierten in die Wehrkreise des Reiches und der besetzten Territorien (Oktober 1943 - April 1944):

Quelle: Auswertung von: Gerhard Schreiber: I militari italiani internati nei campi di concentramento del terzo reich. Traditi, disprezzati, dimenticati, Stato Maggiore dell’Esercito, Ufficio Storico, Roma, 1997

 

Am 12. November 1944 wird in Bellagio (Como) ein Abkommen unterzeichnet, welches das Ende der Zwangsanwerbung von Arbeitskräften in Italien festlegt, obwohl episodische Deportationen von Zivilisten auch weiterhin bis zum Ende des Krieges erfolgen.

Quelle: Istituto di Storia Contemporanea »Perretta«, Como/ Valter Merazzi


Quelle:
Istituto di Storia Contemporanea »Perretta«, Como / Valter Merazzi


Quelle:
Istituto di Storia Contemporanea »Perretta«, Como