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Station 7

Auf dem Bauernhof

Auszug aus Station 7 der Ausstellung

Władysław Stankowski, Absolvent einer landwirtschaftlichen Fachschule, wird mit 20 Jahren aus Polen nach Deutschland deportiert. Über Dransfeld kommt er auf den „Weißen Hof“ in Uschlag. Im Winterhalbjahr sieht sein Arbeitsalltag dort so aus:

5 Uhr: Aufstehen, Arbeit im Kuhstall;
6.30 Uhr: Kaffeetrinken; anschließend 10 km Fußweg in den Wald;
9-16 Uhr: Holzhauen bei jedem Wetter, ohne vernünftige Schuhe, anschließend Rückweg;
18.30-20 Uhr: Arbeit im Kuhstall.

Danach fällt Władysław Stankowski todmüde ins Bett in der ungeheizten Kammer, wo der Reif von innen an den Fensterscheiben klebt.

Im Sommer gibt es andere schwere Arbeiten zu tun; zum Beispiel müssen die schweren Säcke zur Dreschmaschine geschleppt werden: „Vier Wochen Säcke getragen bei der Dreschmaschine, von einem Bauern zum anderen, dann waren keine Leute da, und das war nicht wie heute mit einem Gebläse! Bis oben auf den dritten Stock musste ich die schleppen! Na, was haben die uns ausgenommen! Und dann für 25 Mark im Monat!“

Für viele Zwangsarbeiter in der Industrie bedeutete die Landwirtschaft „Arbeit nach der Arbeit“. Die in Hilkerode untergebrachten Niederländer beispielsweise ziehen in ihren wenigen freien Stunden regelmäßig über die Dörfer, um ihre Hilfe auf den Höfen anzubieten – im Tausch gegen dringend benötigte Nahrung.

Essenspause bei der Feldarbeit in Escherode. Vorne der Arbeiter Wasil P. aus Polen

Essenspause bei der Feldarbeit in Escherode. Vorne der Arbeiter Wasil P. aus Polen.
Quelle: Bernd Kesten, Escherode


Ausländische Zwangsarbeitende mussten in großem Umfang auf dem Land arbeiten
. Sie sollten die Ernährung der deutschen Bevölkerung an der Heimatfront sichern und damit die reibungslose Kriegsführung gegen ihre Heimatländer ermöglichen.

Dies betraf besonders Zwangsarbeitende aus Polen und der Sowjetunion. Mehr als 60% aller polnischen Zwangsarbeitenden wurden in der Landwirtschaft eingesetzt. Deutsche hatten schon lange vor 1939 wegen der sehr harten Arbeitsbedingungen, der schlechten Bezahlung und der oftmals persönlichen Abhängigkeit vom Bauern oder Großgrundbesitzer, der sich mitunter wie ein Sklavenhalter aufspielte, die „Landflucht“ ergriffen. Im Nationalsozialismus war daher der Agrarsektor in eine staatlich gelenkte und kontrollierte Zwangswirtschaft umgebaut worden, die niemand nach eigenem Gutdünken verlassen konnte.

Wiktorja Delimat (links) beim Hühnerfüttern

Wiktorja Delimat (links) beim Hühnerfüttern. Die Aufnahme entstand ca. 1952 auf dem neuen Bachmannschen Hof.
Quelle: Wiktorja Delimat, Göttingen

Jedes Dorf in Südniedersachsen kannte Zwangsarbeitende, alle Großbetriebe lebten von ihnen, und auch viele kleine Höfe bis hin zum Nebenerwerbsbetrieb beschäftigten sie. Die Alltagssituation dieser Frauen, Männer und auch Kinder in den Dörfern war ausgesprochen unterschiedlich und hing sehr stark von ihrer Herkunft, der Einstellung ihres „Arbeitgebers“, dazu auch von den räumlichen Verhältnissen im Betrieb und der politischen Situation im Ort ab.