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Station 5

Zwangsarbeitende aus den Niederlanden

Auszug aus Station 5 der Ausstellung

Ein Teil der Gruppe niederländischer Studenten, die im Flakzeugamt Egelsberg Zwangsarbeit leisten mussten

Ein Teil der Gruppe niederländischer Studenten, die im Flakzeugamt Egelsberg Zwangsarbeit leisten mussten, vor dem Göttinger Bahnhof.   Quelle: Nachlass Jan Klompenhouwer, Terheijden

Cees Louwerse ist Student an der Universität in Utrecht, als die deutsche Führung der besetzten Niederlande im April 1943 von den rund 15.000 Studenten eine Loyalitätserklärung abpressen will. Cees weigert sich zu unterschreiben, taucht vorübergehend unter, muss sich aber schließlich stellen und wird über Salzgitter in das Flakzeugamt Egelsberg in Göttingen transportiert. Mit 34 weiteren Verweigerern kommt er in ein Lager auf einem großen militärischen Gelände. Viele hundert Zwangsarbeitende und Kriegsgefangene werden hier eingesetzt. Cees muss mit drei anderen in einer Abteilung arbeiten, die für die Revision und Reparatur des Luftabwehrmaterials zuständig ist. In der Freizeit besucht die Gruppe gelegentlich Konzerte oder Sehenswürdigkeiten in Göttingen. Dennoch ist ihr Aufenthalt nicht ungefährlich. Dies wird den Studenten sehr deutlich, als einer von ihnen in ein „Arbeitserziehungslager“ (AEL) eingewiesen wird, weil er die antisemitischen Hassgesänge seines deutschen Vorarbeiters nicht hinnehmen wollte. Als er aus dem AEL zurückkommt, kann er sich kaum noch auf den Beinen halten.

Cees erlebt die Befreiung am 7. April 1945.

Die von den niederländischen Studenten geforderte Loyalitätserklärung

Die von den niederländischen Studenten geforderte Loyalitätserklärung (nicht unterschrieben).
Der Text lautet auf deutsch:

"Der Unterzeichnende…………………………………..…...............
Geboren am………………………in………………….….................
wohnhaft……………………………………..………….....................
erklärt hiermit feierlich, dass er die in dem besetzten Niederländischen Gebiet geltenden Gesetze, Verordnungen und andere Beschlüsse nach Ehre und Gewissen einhalten wird und dass er sich jeglicher gegen das Deutsche Reich, die Deutsche Wehrmacht oder die Niederländischen Autoritäten gerichteten Handlung enthalten wird, somit auch Handlungen oder Betragen, die die öffentliche Ordnung in den Einrichtungen der höheren Ausbildung in Anbetracht der heutigen Umstände in Gefahr bringen."
Quelle: Jan Glerum, Wageningen


Frits Winkelmolen
wird bei einer Razzia im niederländischen Grenzgebiet im Herbst 1944 geschnappt und zusammen mit seinem Vater und etlichen anderen Männern aus seinem Dorf nach Deutschland verschleppt. Im Barackenlager „Am Giebel“ in Wuppertal erfahren die Niederländer aus der Region Limburg, was deutsche Bewachung und Ernährung für Zwangsarbeiter heißt. Frits und sein Vater werden weiter zu den Otto-Schickert-Werken nach Rhumspringe transportiert. Dort werden Passbilder gemacht, die müden, nun fast heimatlosen Männer werden „zu einer Nummer“ und die Ausweise werden in Ordnung gebracht. Frits’ Status als Zwangsarbeiter ist besiegelt. Viele Niederländer haben Heimweh, finden Trost im Gebet oder legen ihre Not, Gedanken und Erlebnisse in aus Schmierzetteln gemachten Tagebüchern nieder. Kontakt nach Hause gibt es nicht. Am 12. April 1945 erleben sie die Befreiung durch amerikanische Truppen.

Werksausweis, der ihn zum Betreten des Werksgeländes der Schickert-Werke Rhumspringe „berechtigt“

Werksausweis, der ihn zum Betreten des Werksgeländes der Schickert-Werke Rhumspringe „berechtigt“.   Quelle: L. Winkelmolen-Schreurs, Neer


Niederländer
galten den Nationalsozialisten als rassisch praktisch gleichwertig. Daher wurden den niederländischen Zwangsarbeitenden weit weniger Beschränkungen auferlegt als den meisten anderen Gruppen. Sie mussten keine Abzeichen tragen, konnten sich relativ frei bewegen und erhielten in der Regel eine vernünftige Krankenbehandlung. Ihre Bezahlung war meist ebenfalls deutlich besser. Dem politischen Terror der nationalsozialistischen Diktatur waren sie jedoch nicht weniger stark ausgesetzt als andere.