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Station 3

Deportationen

Auszug aus Station 3 der Ausstellung

Wiktorja Delimat erinnert sich 2007 an ihre erste Deportation aus Polen: „Sie haben uns zum Zug gebracht und dann in die Viehwaggons rein und dann kamen wir nach Deutschland. Im Waggon mussten wir auf der Erde sitzen. Nebenan waren Pferde, die schlugen so gegen die Wände da. Wir hatten Angst. Bisschen Stroh war da, das war alles. Und alles voll Menschen. Dann haben sie uns irgendwo ausgeladen nachts.“

So ähnlich verlief der Transport von künftigen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern ins Reich in den meisten Fällen. Die Deutsche Reichsbahn war an führender Stelle in das Gesamtprogramm des Zwangsarbeitseinsatzes eingebunden: Während die „Beschaffung“ der Arbeitskräfte die Aufgabe der Besatzungsbehörden war und die „Betreuung“ in Deutschland der Deutschen Arbeitsfront (DAF) und den einschlägigen Ministerien oblag, war die Reichsbahn für den Transport der Menschen zuständig.

Hochgezogene Lok, RAW Göttingen

Hochgezogene Lok, RAW Göttingen (Aufnahme aus den 1950er Jahren).
Quelle: Städtisches Museum Göttingen

Zwangsarbeit

Die Deutsche Reichsbahn (DR) beschäftigte selbst in hohem Maß Zwangsarbeitende. In Südniedersachsen gehörte sie mit dem Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Göttingen, den Knotenbahnhöfen Kreiensen, Northeim und Göttingen und dem Reichsbahnkraftwagenausbesserungswerk (RKAW) Hedemünden zu den wichtigsten Arbeitgebern der Region. Zwangsarbeitende wurden in den Werkstätten, Bahnmeistereien, Personen- und Güterbahnhöfen, Schwellentränken und in Bauzügen eingesetzt und meist pauschal als „Bahnunterhaltungsarbeiter“, „Werkstättenarbeiter“ oder „Hilfsschlosser“, „Hilfsdreher“ usw. eingestuft. Die DR verschob ihr ausländisches „Personal“ je nach aktuellem Bedarf rücksichtslos zwischen ihren einzelnen Dienststellen und Lagern. Die Arbeit bei der Bahn war sehr schwer, die Arbeitsbedingungen häufig schlecht. Dies galt noch stärker für die privaten Eisenbahnbauunternehmen, die ebenfalls eine große Zahl an Zwangsarbeitenden einsetzten. So mussten beispielsweise 90% aller in Dransfeld bei der Fa. Fritz Bertram beschäftigten Zwangsarbeitenden zeitweise arbeitsunfähig geschrieben werden.

Frits Winkelmolen am Bahnbetriebswerk Northeim, 1995.
Quelle: L. Winkelmolen-Schreurs, Neer

Neben der Deutschen Reichsbahn beschäftigten auch private und kommunale Eisenbahnunternehmen ausländische Zwangsarbeitende. In Südniedersachsen waren das die Gartetalbahn mit ihrer von Göttingen nach Duderstadt führenden Schmalspurstrecke und die Ilmebahn zwischen Salzderhelden und Dassel.

Roman Kornijenko musste in Göttingen und in Dransfeld für die DR arbeiten. Er erinnert sich: „Arbeitslohn haben wir nicht bekommen. Zum Essen haben wir fast immer Suppe aus der Steckrübe bekommen, ab und zu gab es Nudeln, Kartoffeln, nur an Wochenenden Bouletten aus Leber. (...) Wir hatten ständig Hunger (...). Nach der erschöpfenden Arbeit und dem ständigen Hunger blieben keine Kräfte für Spaziergänge. (…) Ich habe an Flucht gedacht, aber es gab keine Möglichkeit. Ein Mensch, der körperlich und geistig erschöpft war, weiter als ins KZ wäre er nicht gekommen.“

Der durch Bombenangriffe zerstörte Northeimer Bahnhof

Baracke beim Göttinger Bahnbetriebswerk (1945).
Quelle: Städtisches Museum Göttingen

Baracke beim Göttinger Bahnbetriebswerk (1945).

Der durch Bombenangriffe zerstörte Northeimer Bahnhof. Handschriftliche Aufschrift: „Unser schöner Bahnhof“.
Quelle: Stadtarchiv Northeim


Bitte beachten sie auch den vertiefenden Abschnitt  Media > Karte Eisenbahnbetriebe