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Station 2

Das Leben davor

Auszug aus Station 2 der Ausstellung

Lina Schäfer wird 1924 in Uschlag bei Kassel geboren. 1938, nach der Volksschule, muss sie die Familie verlassen und ein „Landjahr“ auf einem Bauernhof absolvieren.

Foto Lina Schäfer

Lina Schäfer (sitzend, ganz rechts) bei ihrer Konfirmation am 27. März 1938.
Fünf Tage später musste die noch 13-Jährige ihr „Landjahr“ antreten.
Quelle: Lina Stankowski, Uschlag

Stefania Jadwiga Włodarczyk aus Warszawa (Warschau) ist fünf Jahre alt, als Deutschland Polen überfällt und den Zweiten Weltkrieg beginnt. Mit zehn Jahren wird sie mit der gesamten Familie nach Deutschland verschleppt. Sie muss Zwangsarbeit in einem Lager in Northeim leisten.

Frits Winkelmolen wird 1921 im limburgischen Neer in den Niederlanden geboren. Er lernt Technisches Zeichnen. Bei einer Razzia wird Frits im Oktober 1944 zusammen mit seinem Vater, der sich im Maschinenkeller der Werkstatt versteckt hielt, für den Arbeitseinsatz in Deutschland verhaftet.

Foto Frits Winkelmolens Elternhaus

„Elternhaus Frits“: Frits Winkelmolens Elternhaus mit dem Sägewerk in Neer, 1920er Jahre.
Quelle: L. Winkelmolen-Schreurs, Neer

Giuseppe Chiampo, 1922 in Venezia (Venedig) geboren, muss 1943 sein Studium der Ingenieurwissenschaften unterbrechen, da er zur alpinen Artillerie einberufen wird. Als Italien einen Waffenstillstand mit den Alliierten abschließt, wird Giuseppes Einheit von deutschen Truppen entwaffnet und in das Kriegsgefangenenlager Fallingbostel abtransportiert.

Foto Giuseppe Chiampo (rechts)

Giuseppe Chiampo (rechts) mit Kusinen und Freunden auf einem ihrer zahlreichen Fahrradausflüge in die Berge bei Padova (Padua).
Quelle: Nachlass Giuseppe Chiampo, Padova

Nikolai Timofejewitsch Subanj aus der Sowjetunion ist 17 Jahre alt und hat die 8. Klasse der Mittelschule abgeschlossen. Er lebt bei seiner Mutter, als ihn am frühen Morgen des 1. September 1942 zwei einheimische Polizisten aus dem Bett holen und in die Stadthalle der Bezirksstadt Karlowka im Gebiet Poltawski mitnehmen. Von hier wird er über Zwischenstationen zur Zwangsarbeit in ein Lager nach Güntersen verschoben.

 

Menschen jeden Alters und beiderlei Geschlechts wurden durch den Zwangsarbeitereinsatz aus ihren Lebensplänen gerissen. Die nationalsozialistische Diktatur hatte schon vor dem Krieg die Arbeitswelt mit einem Netz von Zwangsmaßnahmen durchzogen und die Arbeit selbst massiv beschleunigt, militarisiert und ständig überwacht. Barackenunterkünfte, Essen aus Feldküchen und Zwangsverschickungen von deutschen Arbeitern in weit entfernte Landesteile gehörten bereits zum alltäglichen Bild. Die aus den besetzten Ländern hierher zur Arbeit verschleppten Menschen traf dies alles, fern ihrer Heimat, meistens ohne jede Sprachkenntnisse und ihrer Rechte beraubt, noch deutlich schlimmer.