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Station 1

Prolog

Auszug aus Station 1 der Ausstellung

Fremdarbeiter, ausländische Arbeitskräfte, Gastarbeiter, auch Zivilarbeiter sowie OstarbeiterWestarbeiter waren die gängigen Begriffe für die Zwangsarbeitenden des Zweiten Weltkriegs. Von Zwangsarbeitern und Sklavenarbeitern sprachen eher die politische Opposition und die Betroffenen selbst.

Kriegsgefangene
wurden in eigenen Arbeitskommandos zur Arbeit eingesetzt. Diese Gruppe ist nicht Gegenstand der Ausstellung.

Italienische Militärinternierte
sind eine Erfindung der Nationalsozialisten, um die kriegsgefangenen Italiener den Schutzmechanismen der Genfer Konvention zu entziehen. 1944 wurden die meisten von ihnen zu Zivilarbeitern erklärt.

Mißhandlungen oder Deportation zur Zwangsarbeit oder für irgendeinen anderen Zweck von Angehörigen der Zivilbevölkerung des besetzten Gebietes oder anderen Zivilpersonen“ sind Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. (Nürnberger Prozess von 1945/46).


Angehörige von mindestens 16 Nationen leisteten in Südniedersachsen Zwangsarbeit. Im Mai 1944 befanden sich offiziell 8.091 zivile ausländische Arbeitskräfte im Bereich des Arbeitsamtes Göttingen und 17.314 im Bereich des Arbeitsamtes Northeim (nicht identisch mit den heutigen Arbeitsamtsbereichen). Das waren 21 % (Göttingen) bzw. 29,9 % (Northeim) aller Arbeitskräfte in diesen Gebieten. Nach heutigen Erkenntnissen sind die Zahlen noch deutlich höher. Genaue Zahlen werden sich aufgrund von Aktenvernichtungen, fehlerhafter Registratur etc. wohl nie mehr ermitteln lassen. Geschätzt waren es zwischen 50.000 und 60.000 Menschen, die während des Krieges auf dem Gebiet der heutigen Landkreise Northeim und Göttingen Zwangsarbeit leisten mussten.

Ausländische Zwangsarbeitende waren in fast jedem denkbaren Wirtschaftsbereich tätig, von Gaststätten und Hotels über die Mühle bis hin zum Krankenhaus und zur Munitionsfabrik, beim Friseur und beim Bäcker, als Molkereiwagenfahrer und bei der Müllabfuhr, in den Wäldern, Steinbrüchen und der Landwirtschaft, in kirchlichen Einrichtungen, Kommunen und Privathaushalten. Sie prägten das tägliche Bild in den Städten und Dörfern. Ohne sie wäre die deutsche Wirtschaft zusammengebrochen. Viele deutsche Betriebe haben von dem Einsatz ausländischer Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wirtschaftlich profitiert.

Zwangsarbeitende in Deutschland mussten die deutschen Männer, die zum Militär eingezogen waren, ersetzen und hier für den eigenen Feind arbeiten. Dieser Arbeitseinsatz verbesserte die Lebensbedingungen an der deutschen „Heimatfront“ und wirkte der Kriegsmüdigkeit entgegen. Zugleich verlängerte sie den Krieg und somit auch die Dauer der eigenen Gefangenschaft.

Die Erscheinungsformen von NS-Zwangsarbeit sind vielfältig. Um ihr Bild und ihren Umfang vorstellbar zu machen, konzentriert sich die Ausstellung auf die Biographien einiger Betroffener und auf eine bestimmte, konkrete Region, die von Bad Gandersheim im Norden bis vor die Tore Kassels im Süden und von Weser und Solling im Westen bis Duderstadt und den Harzrand im Osten reicht.